Do swidanija Moskwa – Hallo Berlin

14 08 2009

Frau Merkel in Sotschi, Opel vor der Magna-Entscheidung, blutiger Terror im Kaukasus und als i-Tüpfelchen der verschwundene Frachter mit der russischen Besatzung. Mein Sprengel hat mir zum Abschied noch mal die pralle Themenvielfalt geboten, die mich all die Jahre immer wieder fasziniert und mitgerissen hat. Nun ist nach neun Jahren Moskau und elfeinhalb Jahren GUS definitiv Schluss im Osten. Und bei aller Vorfreude auf Deutschland spüre ich, dass ich trotz der Entbehrungen in den Moskauer Jahren vieles vermissen werde. Das wunderbare Moskauer dpa-Kollektiv, das mich jeden Morgen mit Vorfreude zur Arbeit gehen ließ, die einmalige Kameradschaft der deutschen und internationalen Korrespondenten hier und natürlich das Riesenreich mit seinen Menschen.

Was hier an Lebensqualität fehlt, macht Moskau als einer der spannendsten, vielfältigsten und überraschendsten Korrespondenten-Posten weltweit wett. Habe selbst leider keinen Vergleich, aber wer sonst geht morgens ins Büro (mit einem bequemen Zwei-Stunden-Vorsprung zu Deutschland – immerhin) und muss mit einem verstopften Klo auf der Raumstation ISS oder Raketendrohungen an die NATO rechnen? Fehlen werden mir die Reisen in die Provinz, nach Sibirien, ans Schwarze Meer, nach Zentralasien und hinter den Polarkreis (auf die schrottreifen Tupolews und Jaks kann ich allerdings in Zukunft gut verzichten).

Nun wartet ein ganz neues Kapitel auf mich – Leben und Arbeiten in Berlin. Auf dem Weg zurück in die Zivilisation. Mancher Kollege in Moskau hat in den vergangenen Wochen – ganz behutsam – gefragt, ob mich nicht eine ziemliche dröge Zeit als Dienstleiter Innenpolitik in Berlin erwarte. Nach allem, was ich bei meinen Schnupperbesuchen erfahren habe und was ich so über den „Relaunch“ der dpa mitbekomme, dürften auch meine bevorstehenden Jahre in Berlin alles andere als langweilig werden. Und mit meiner Familie, die mit mir in Moskau durch dick und dünn gegangen ist, freue ich mich auf ein ganz normales Leben in Deutschland.





Russlands Maß der Dinge

7 08 2009

Wladimir Putin feiert am Wochenende sein 10-Jähriges in der russischen Politik. Eine Dekade mit Licht und Schatten.

Hätte nie gedacht, dass die Menschen in Russland der alten Herrschafts-Maxime „Guter Zar – schlechte Bojaren“ selbst im 21. Jahrhundert noch Glauben schenken.   

KORR-Ausland/Russland/Regierung/Geschichte/
(Zum 09. August)
Putin seit zehn Jahren Russlands Maß der Dinge
Von Stefan Voß, dpa
(Mit Bild) =

   Moskau (dpa) – Der Politneuling wirkte unscheinbar und in seinen
Bewegungen fast linkisch. Als der Kreml am 9. August 1999 zur
allgemeinen Überraschung den damals 46-jährigen Wladimir Putin zum
neuen Regierungschef ernannte, befand sich das gestrauchelte
Riesenreich Russland in der Auflösung. Raus aus dem Wirtschaftschaos
sowie Kampf gegen Korruption und Terrorismus, versprach der Blasse
mit dem dünnen Seitenscheitel vor zehn Jahren. Vor allem dank
exorbitant steigender Rohstoff-Einnahmen gelang Putin der Aufschwung
und damit die Wiedergeburt der einstigen Supermacht. Doch nun droht
die Wirtschaftskrise sein Lebenswerk ins Wanken zu bringen.

   Der einstige KGB-Spion stieg auf Wunsch des damaligen Präsidenten
Boris Jelzin vom Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB zum
Ministerpräsidenten auf. Nach einem ständigen Wechsel an der
Regierungsspitze machte der amtsmüde Jelzin gleich klar, dass er den
ebenso intelligenten wie zielstrebigen Putin als seinen Nachfolger
sah. Damals rätselte Russland, wer genau dieser Kundschafter aus den
Zeiten des Kalten Krieges eigentlich ist, der 2000 die Macht im Kreml
übernahm und sofort spürbar an Profil gewann.

   Eine «Diktatur des Gesetzes» und die Rückkehr zum starken Staat
versprach der promovierte Jurist. Nach Recht und Ordnung sehnten sich
damals Millionen Menschen, denen der Raubkapitalismus der frühen
1990er Jahren die Lust an den neuen Freiheiten gründlich verdorben
hatte. Mit einer spektakulären Aktion verschaffte sich Putin gleich
Respekt. Im Cockpit eines Kampfjets flog er nach Tschetschenien und
kommandierte die Armee dorthin, um die Kontrolle über die abtrünnige
Teilrepublik im Nordkaukasus wiederzuerlangen. Bis heute verkörpert
er für die meisten Russen Werte wie Ordnung, Patriotismus,
Ehrlichkeit und Loyalität.

   Nur zwei Mal musste Putin einen Popularitäts-Knick in den Umfragen
hinnehmen. Das erste Mal traf es ihn gleich am Anfang seiner
Kremlzeit. Beim Unfall des Atom-U-Boots «Kursk» bangte das ganze
Land um das Leben von 118 später für tot erklärten Seeleuten, während
Putin im Urlaub weilte. Den zweiten Einbruch auf der
Beliebtheitsskala musste Putin 2005 einstecken, als er eine Änderung
der Sozialvergünstigungen anordnete. Selbst dass die Korruption bis
heute eher zu- als abgenommen hat und das Leben von Bürgerrechtlern
und Regierungskritikern immer weniger wert ist, hat seine Beliebtheit
kaum geschmälert.

   Als die Verfassung Putin im Vorjahr zwang, nach zwei Amtszeiten
dem Kreml den Rücken zu kehren, installierte er seinen politischen
Ziehsohn Dmitri Medwedew als Nachfolger. Putin selbst behielt als
verfassungsgemäß untergeordneter Regierungschef das Heft weiter in
der Hand. Bislang scheinen Clankämpfe, Wirtschaftskrise und jeweilige
Ambitionen keinen spürbaren Keil in das Tandem getrieben zu haben. In
der Krise versuchen die Staatsmedien den Eindruck zu erwecken, als
kämpfe der Judoka Putin persönlich um jeden Arbeitsplatz im Land.

   Lew Gudkow vom Meinungsforschungsinstitut Lewada führt die
politische Glückssträhne auch darauf zurück, dass Putin um sich eine
Atmosphäre des Unersetzlichen geschaffen hat. Gudkow sieht darin
weniger die Leistung des Politikers als vielmehr die Tatsache, dass
die Opposition konsequent an den Rand gedrängt wurde und die
Massenmedien streng nach Putins Pfeife tanzen. «Die Russen sehen
weiterhin keine Alternative zu Wladimir Putin an der Macht», schreibt
die Tageszeitung «Kommersant» etwa. «Aus Gewohnheit hängen sie ihre
Hoffnungen auf Lösung „aller Probleme des Landes“ an ihn.»

   Ob Putin so erfolgreich bleibt, macht der Politologe Jewgeni
Mintschenko von drei Faktoren abhängig: Die wirtschaftliche Lage des
Landes, die Beziehungen innerhalb des Tandems mit Medwedew sowie die
Fähigkeit der Opposition, einen starken Gegenkandidaten aufzubauen.
Zumindest beim dritten Faktor, so sind sich die Experten in Russland
einig, muss sich Putin auf absehbare Zeit keine Sorgen machen.





Tatarenmeldungen aus dem Südkaukasus

30 07 2009

Anfang August jährt sich der Südkaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien zum ersten Mal. Auf Anregung von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sollte eigentlich eine Kommission rechtzeitig zum ersten Jahrestag klären, wer die Hauptschuld am Kriegsausbruch trägt. Herausgefunden haben es die Diplomaten um die Schweizerin Heidi Tagliavini offenkundig, doch an die Öffentlichkeit mag man damit ungern gehen. So wie es aussieht, trägt Georgien und dessen hitziger Präsident Michail Saakaschwili mit dem Angriff auf das abtrünnige Südossetien die größte Verantwortung für das Blutvergießen – und nicht etwa die Russen. Das wiederum scheint einigen osteuropäischen EU-Mitgliedern – wegen der gemeinsamen Geschichte spinnefeind mit Moskau – überhaupt nicht zu behagen. So wird derzeit wohl nach einem Kompromiss gerungen, mit dem alle EU-Länder leben können.

Das Verhältnis zwischen Georgien und Russland bleibt unterdessen leidenschaftlich. Moskau warnt seit Monaten in schrillen Tönen vor einer Wiederaufrüstung Georgiens. Und Saakaschwilis Führung macht selbst die Ausländer im Land kirre mit ihren Hilferufen und Warnungen vor einem unmittelbar bevorstehenden erneuten russischen Einmarsch. So geschehen zuletzt Anfang Juli, als die russische Armee angeblich wieder mit ihren Truppen auf Tiflis vorrückte. Und das ausgerechnet zum Besuch von US-Präsident Barack Obama in Moskau. Die Tatarenmeldungen aus Tiflis sollen selbst in Berlin manchem Entscheidungsträger eine unruhige Nacht beschert haben. Auch wenn die Waffen schweigen, bleibt der Südkaukasus für Europas Diplomatie ein heißes Pflaster.





Nachtrag zu: Bloß nix neues

26 07 2009

Ein Kollege und Freund in Moskau fragt zurecht, ob wir in Russland tatsächlich von Klischees sprechen können. Wie könne es sich um überkommende Vorstellungen handeln, wenn doch die russische Politik und die Öffentlichkeit selbst immer wieder diese Themen aufbringen? Es vergeht kein Tag, an dem die russischen Boulevardmedien nicht selbst das typisch Russische durchhecheln.  Und der Kremlchef  Medwedew persönlich macht die Korruption und den Alkoholmissbrauch regelmäßig zum Thema.

Weil Obama vor seinem Antrittsbesuch in Moskau Putin als Mann von gestern bezeichnete, war die russische Führung stratzbeleidigt. Doch als der US-Präsident dann leibhaftig in Putins Residenz weilte, hatte das Protokoll nichts besseres zu tun, als ein angeblich typisch russisches Frühstück mit Blinis, Wachtelfleisch und Tee aus dem dampfenden Samowar aufzutischen. Das hatte so viel mit russischem Frühstück zu tun wie in Deutschland Pumpernickel aus dem Steinbackofen.  Sogar eine Laienspielschar in roten Bauernhemden und Balalaikas rückte in der Residenz an, um Obama beim Frühstück zu erfreuen. Den Auftritt verhinderte allerdings ein russischer Protokollchef im letzten Moment. Es war wohl selbst für die russische Führung ein bisschen zu viel Folklore.





Bloß nix neues

25 07 2009

Als ich vor knapp 20 Jahren in Hessen volontierte (ganz ohne Internet), galt die goldene Journalistenregel, den Leser „vor der eigenen Haustür abzuholen“. Gemeint war, ihn behutsam in die Geschichte hineinzuziehen und nicht gleich mit zu viel neuem zu überfordern. Wenn ich mir die Resonanz der Auslandsberichterstattung in den letzten Jahren so anschaue, habe ich nicht das Gefühl, dass der Leser noch wünscht, abgeholt zu werden. Er bleibt am liebsten gleich ganz zu Hause.

Warum ist es bloß so schwierig geworden, das Publikum für Unerwartetes, Abseitiges, Aufklärendes oder einfach nur Interessantes aus der weiten Welt zu begeistern? Ich spreche von meinem Sprengel und bin mir doch sicher, dass es den Kolleginnen und Kollegen in Südamerika, Afrika und auch vielen europäischen Ländern (Polen!) ganz ähnlich geht. Im Umkehrschluss heißt die Erfolgsformel, um es krass zu sagen: Bloß nix neues. Am liebsten die alten Klischees bemühen, aber natürlich nicht so ganz platt, sondern ein bisschen aufgepeppt.

Kleiner Praxistest: Würde sich wirklich jemand dafür interessieren, wenn es in Sibirien eine aufblühende Tango-Bewegung gäbe? Wohl kaum. Aber die Geschichte von dem Russen, der den alkoholfreien Wodka erfunden hat, würden alle nehmen.

Wer als Auslandskorrespondent eine Liste mit den knackigsten Klischees seines Landes erstellt (bloß keine Hemmungen) und sie dann abarbeitet, darf sich der stürmischen Zuneigung der Heimatredaktion sicher sein. Für Russland wären das auf jeden Fall: Wodka, schöne Frauen, Atomkraft (wegen Tschernobyl), Eiseskälte, Luxus, Brutalität im Alltag, Bären und zunehmend auch gern randalierende oder sonstwie schräge Touristen.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die folgende Geschichte nicht totzukriegen ist. Russische Abenteuertouristen würden schwerstbewaffnet vor der Küste von Somalia auf einem Schiff umherzkreuzen, um Piraten anzulocken und sie dann in die Flucht zu ballern. Klar, logisch, so sind die Russen eben. Diesen Blödsinn muss irgendein österreichisches Medium schon vor Wochen ins Netz gestellt haben. Seitdem werden in Moskau immer wieder deutsche Korrespondenten von ihren Redaktionen mit erregten Anfragen heimgesucht. Die Antwort, dass das offensichtlich eine Erfindung ist und keines der schamlosen Moskauer Boulevardblätter die Geschichte je aufgegriffen hat, wird in Deutschland mit Enttäuschung quittiert (und nicht etwa mit Erleichterung, dass man ja um ein Haar einer Zeitungsente aufgesessen wäre).

Nur dass jetzt bitte kein falscher Eindruck entsteht: Wir versuchen es ja immer wieder mit Randthemen und Hintergrundberichten aus unserem Berichterstattungsgebiet – um dann regelmäßig mit einem Null-Abdruck belohnt zu werden. Als ich Ende der 1990er Jahre als Auslandskorrespondent loslegte, hieß es in einem solchen Fall, das heben sich die Kunden für einen anderen Tag auf. Sowas traut sich heute niemand mehr zu sagen, wo doch die Kunden (und nicht nur die) schon am Nachmittag nicht mehr wissen, was am Vormittag auf den Draht ging.

Den Vogel schießt als Korrespondent ab, wer zum KCO greift, dem Klischee-Cross-over. Zwei Top-Ten-Stereotypen in einer Geschichte verschmelzen. Neulich hatte ich Glück. Da kürte die russische Kernkraftlobby ihre „Miss Atom“. Bingo. Und als es dann auch noch ein Foto von der schönen Aljona („strahlende Schönheit“) gab, die aus dem Kühlteich des AKW Nowoworonesch steigt, da war bei mir und später auch bei den Kunden kein Halten mehr.

 

  alyona_2

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Sinkendes Interesse, steigende Erwartungshaltung

23 07 2009

Hätte ich mir nicht träumen lassen, dass die politische Berichterstattung aus Russland mitunter Erotik pur für die Kunden und Leser in Deutschland sein kann. Oder wie sonst lässt sich dieser wohlige Schauder in den Redaktionsstuben umschreiben, wenn der Kreml mal wieder von der grandiosen Modernisierung seines Atomwaffenarsenals fabuliert (und wir Westmedien mit Begeisterung darauf anspringen). Putin und Co. wollen damit vor allem eines: Der eigenen Bevölkerung weismachen, dass die in Wahrheit zutiefst maroden Streitkräfte nur so vor Kraft strotzen – mehr nicht. Der Westen hingegen glaubt’s gern und fröstelt schon mal ein wenig in wohliger Erinnerung an die guten alten Kalter-Krieg-Zeiten.

Dass in Deutschland das originäre Interesse an der Auslandsberichterstattung stark nachgelassen hat, dürfte nicht nur Nachrichten aus unserem Sprengel betreffen. Es ist schon verrückt, dass sich vor gerade mal 20 Jahren noch ein hoher Prozentsatz der Deutschen für das Schicksal der Sandinisten in Nicaragua erwärmen konnte. Und heute? Hand hoch, wer sich noch wirklich für die innerrussischen Entwicklungen interessiert (von Nicaragua ganz zu schweigen). Dem Schwund des vorurteilsfreien Interesses am Fremden steht eine stark gestiegene Erwartungshaltung an die Berichterstattung aus dem Ausland entgegen. Gerne auch mit zutiefst subjektiver Einteilung in „gut“ und „böse“, ausgerichtet an unseren abendländischen Überzeugungen von Individualismus, Liberalität und der universellen Gültigkeit von Menschenrechten.

Wie anders ist es zu erklären, dass eine Agenturmeldung über Herrn Putin sehr leicht ihren Platz in den Blättern findet, wenn der Leadsatz das Verb „drohen“ aufzubieten hat? Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Konkurrenzmeldungen zum selben Thema, in denen Putin nicht droht, eben nicht sexy sind. Ein Beispiel: Vor einiger Zeit platzte Herrn Putin beim Thema Energiesicherheit mal wieder der Kragen. Als der finnische Ministerpräsidenten Vanhanen wegen der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline rumnörgelte, polterte Putin los: Wir müssen das Ding nicht bauen, wenn ihr nicht wollt. Wir können auch Flüssiggas rüberschiffen, das kommt euch aber teurer.

So, damit hatte Putin erstmals öffentlich (zumindest rhetorisch) die Ostsee-Pipeline in Frage gestellt. Das war neu, aber eben wesentlich weniger knackiger als der Leadsatz: Putin droht, die Ostsee-Pipeline nicht zu bauen. Natürlich gibt es bei der Zahl der Agenturen immer jemanden, der dieser Versuchung nicht widerstehen kann. Und gleich klingelt das Telefon bei uns: Warum schreibt ihr das nicht auch so – Putin droht? Antwort: Weil das Blödsinn ist. Die Russen wollen diese Pipeline (Weil sie sich nicht mehr mit den Ukrainern rumschlagen wollen. Die Europäer hingegen wollen für ihr teures Geld das Gas aus Russland haben, egal wie.)

Man muss auch als EU-Bürger Herrn Putin nicht unbedingt mögen. Aber es hilft zum Verständnis ungemein, wenn bei umstrittenen Themen wie Energiesicherheit oder Rüstungskontrolle nicht jede seiner Äußerungen gleich als Drohgebärde interpretiert wird. Wie im konkreten Fall: Da kann Putin nicht „drohen“, auf etwas zu verzichten, weil er selbst es am allermeisten haben möchte. Es käme ja auch niemand auf die Idee zu schreiben, Putin droht, die russischen Kurzstreckenraketen nicht in Kaliningrad zu stationieren.





Putin droht

22 07 2009

An meinem ersten Arbeitstag als Agenturjournalist in Moskau war das Atom-U-Boot Kursk gerade abgesoffen. Das ist mittlerweile neun Jahre her. Nun bleiben mir hier noch knapp vier Wochen und es wäre schön, wenn ich das Land nicht im Schatten einer ähnlich großen Katastrophe wieder verlasse.

Will versuchen, in meiner hier noch verbleibenden Zeit die Auslandsberichterstattung und ihre doch erheblichen Veränderungen zu beleuchten. Wieso muss Putin eigentlich immer in den Meldungen drohen? Warum ist das Gut- und Böse-Schema bei Frau Politkowskaja manchmal so verwirrend? Und weshalb wurde der Gaskonflikt/Südkaukasuskrieg eigentlich mit einem Mal so kompliziert, als nicht mehr nur die Russen die Schuld traf?